Sie stehen grad vor Ihren ersten richtigen Ferien mit kleinen Kindern? Gratuliere, diese haben Sie sich sicherlich verdient. Bevor Ihnen jetzt die Lust darauf vergehen sollte, möchte ich noch anmerken: Meine Ferien verlaufen seit anderthalb Wochen grandios. Ausser, dass ich mich nicht mehr an richtige Ferien erinnern kann. Sie denken sich jetzt: Schwachsinn? Dann sind Sie bereit dafür, finde ich.

1. Werfen Sie Ernährungsregeln über Bord.

Es gestaltet sich mancherorts schwierig, an die gewohnte Portion Broccoli und Rüebli heranzukommen. Wenn Sie das schon stresst, dann wird’s richtig hart für Sie. Die Kinder spüren alles: auch, dass Ferien sind und agieren dementsprechend – sagen wir mal – freigeistlich. Pommes kommen natürlich immer gut. Achja: Verheimlichen Sie Ihren Kindern so lange wie möglich die Existenz von Ketchup.

2. Schmeissen Sie Vorurteile über Bord.

Sie haben Familienhotels bis anhin als einen Ort des Grauens deklassiert. Ihre Ferien haben Sie gerne in schmucken Romantiklogen, abgelegenen Finchas und verträumten Pensionen in der Toskana verbracht. Natürlich haben Sie Ihren Aufenthalt nicht ein Jahr im voraus gebucht. Es ist Zeit, Ihre festgefahrenen Meinungen zu überdenken.

3. Restaurants mit Kinderspielplätzen suchen.

Dasselbe Kapitel wie mit Familienhotels: da geht niemand freiwillig hin. Wenn man jedoch keine Wahl mehr hat, sind sie ein Segen. Also: begeben Sie sich auf die Suche (ein Muss: Trampolin und Rutschbahn).

4. Vergessen Sie Sex.

Die Gründe dafür können vielfältiger Natur sein. 1.) Die Kinder schlafen aus monetären oder platzbedingten Ursachen im Ehebett. 2.) Die Schwiegereltern schlafen nebenan. 3.) Die Eltern schlafen nebenan. 3.1.) Die Schwiegereltern/Eltern schlafen im selben Zimmer wie Sie, worst case. Tipp: Buchen Sie nach den Familienferien gleich noch ein Wellnessweekend zu zweit. Dann ist die Durststrecke absehbar.

5. Schonungsloses Einspannen von Opi und Omi.

Seien Sie nicht zimperlich: Die Grosseltern sind mitgekommen, damit sie kindertechnisch gefordert werden. Das wissen alle, darum sollten Sie Ihre Hemmungen über Board werfen und die Kleinen schon um 6 Uhr in der Früh ins Nebenzimmer schicken, wo Opi und Omi schlafen (noch).

6. Halten Sie durch.

Auch Windelträger werden grösser. Dann kann können Sie sich wenigstens über Alltagsthemen unterhalten, schleppen keine separate Tasche mit Pampers in der Welt herum, an Spaghetti mit Tomatensauce erinnern Sie sich mit gutmütiger Miene, der Alterszutritt für Kinderhorts in Hotels und Restaurant liegt bei drei Jahren, Sie bewegen sich bald nicht mehr Bücklings den Strand entlang, weil sie das Kind ständig an der Hand führen müssen (so sweeeeeet!), man sagt: Gute Nacht, and fine.

7. Rotten Sie sich mit anderen Familien zusammen.

Schauerlich, aber ein natürlicher Überlebenstrieb. Wenn Sie lieber 16 Stunden Spiele und Geschichten erfinden wollen, go for it. Ansonsten gilt: mehrere Kinder sind ein Rudel und mehr oder weniger am selben Platz aufzufinden. Halten Sie sich mit Animositäten gegenüber anderen Eltern zurück, das schafft nur unnötige Reibereien und schlussendlich wollen alle dasselbe: ein bisschen Ruhe.

8. Kleine Auszeiten zu zweit einplanen.

Mit dem Auto ein lauschiges Plätzchen am Fluss oder sonst wo aufsuchen. Die Kinder mal im Auto (im Schatten und ein wenig heruntergelassenem Fenstern bitte) schlafen lassen und daneben auf Campingstühlen in Ruhe die Zweisamkeit geniessen. Bei einem Kaffee, einer Dose Bier, einer Zigarette, einer Flasche Wein, whatever.

9. Keine „wie-früher“-Erwartungen hegen.

Was Sie früher als Ferien betituliert haben, ist ein Monument aus der Vergangenheit. Gewöhnen Sie sich daran und merken Sie sich: Erwarten Sie nicht dieselbe Entspannung, die Sie zuvor zu zweit gehabt haben. Sie kommt nach der Pubertät der Kinder wieder, maybe.

10. Eine gute Leselampe für die Nacht.

Sie gehören zu den passionierten Bücherwürmern und verschlingen in den Ferien gerne fünf dicke Werke in der Woche. Das können Sie weiterhin, sofern Sie sich eine Nanny leisten können. Für die anderen gilt: Besorgen Sie sich eine gute Leselampe für die Nacht.

11. Programm, Programm, Programm.

Und zwar täglich. Damit umgeht man den Family-Holiday-Blues.

Written by C.