Meine Tochter ist drei Jahre und mein Sohn zwei Jahre alt. Geht es danach, was mal aus ihnen werden soll, dann haben sie schlechte Karten: Sie besuchen noch keinen einzigen Kurs. Help! Der Grund für den suboptimalen Starterkit bin ich, ihre Mutter.

So etwa das Thema Wasserbaden. Ich bin schlichtweg der Meinung, dass Babys schon mehr als genug damit zu tun haben, im Leben anzukommen, warum denn ihnen noch zusätzlich Stress aufbürden mit Gruppenplanschen, kaum sind sie auf der Welt. Die Kinder lernen es auf ganz natürlich Weise, mit Mami und Papi, nur Mami oder nur Papi, in der Freizeit. So wie es in meiner Generation auch erlernt wurde.

Zudem bin ich der Meinung, dass Babyschwimmen ein eben so neumodischer Gag ist wie Schwangerschaftskurse für Sie und Ihn. Ich mein, hello my friend: wer tut sich das schon freiwillig an? Ich hätte meinen Mann erschlagen, wenn er mir das vorgeschlagen hätte. Und er mich im umgekehrten Fall wohl auch. Zu Recht.

Gut, vor meiner Schwangerschaft habe ich noch laut herumposaunt, dass sich der Mann zur gegebenen Stunde bitte schön auf keinen Fall im Gebärsaal aufhalten möge – das sei etwa so sexy wie Calida-Unterwäsche for him. Stattdessen möge er sich doch please Zigaretten in irgend einem gottverdammten Warteraum reinziehen und mit den Krankenschwestern – von mir aus auch medizinischen Praxisassistentinnen – flirten. Da es dann im besagten Moment weder eine Raucherzone gab, noch einen rauchenden Mann dazu, sass er halt doch neben mir (nein, ich bin nicht auf einem Medizinball, am Hängeseil oder im Wasserbad niedergekommen). Aber das mit dem Händchen halten haben wir guten Gewissens ausgelassen, please feel your own strength.

Zurück zu mir, besser gesagt zum Waldkindergarten. Der ist inexistent, weil es in unserer Umgebung einfach keinen gibt. Gäbe es einen, würde ich ihn auch nicht forcieren. Warum auch? Im Dreck wälzen, Feuer legen im Freien oder im Wald spazieren können sie schliesslich auch mit Mami und Papi und Freunden. Früher ging man mit den Kindern einfach raus in den Wald spielen. Heute braucht es dazu offenbar eine eigenständige Bezeichnung, einen K U R S! Wer seine Kids nicht in einen Waldkindergarten schickt, der scheint ihnen sowieso Natur und Abenteuer verwehren zu wollen. Wenigstens könnte man den Kinderlein dann die Künste der Musik näher bringen – selbstverständlich mittels einem Kurs! – Freies Musizieren, herumtollen mit Geräuschen von Musikinstrumenten, spielerisches Beibringen von Trommel, Gitarre und Saxophon – wer sagt da schon nein!

Doch genau darum geht es: Nein zu sagen. Nein zum Frühförderwahn. Nein zu jedem so genannten must-have, Nein zu allem Unnützen, das vor allem eines impliziert: Ihr Eltern, Ihr seid unfähig, das alleine hinzukriegen. Doch hätten Eltern mehr Zeit oder (vor allem) Lust, dann könnten sie ihren Kindern vieles davon selber beibringen. Ein Wunder gibt es noch keine Velokurse für Zweijährige, aber wahrscheinlich existiert er schon, nur habe ich ihn übersehen.

Jedenfalls will ich nicht zu jenen Müttern zählen, die ihre Kinder wie eine Tiger Mom von einem Termin zum Nächsten chauffiert, aus Furcht, sie könnten etwas verpassen oder die Mutter selbst, wenn sie in der Mütterrunde nicht mitreden kann. Etwas mehr Langmut täte uns Eltern gut.

Written by C.