Es gibt Tage, an denen einfach nichts wirklich klappen will. Manchmal versetzt einen selbst das Legospielen mit dem knapp Zwei- und der Dreijährigen in Rage. Nicht, weil die Mutter keine Geduld hätte, sondern weil sie einfach keine Nerven mehr übrig hat, zum wiederholten Male zu schlichten, wenn der Kleine der Grossen wieder mal einen Baustein über den Kopf zieht oder wenn die Grosse dem Kleinen das soeben erbaute Lego-Kunstwerk kurzerhand demoliert. Nein, liebe Kinderlein, nicht immer steht ihr an erster Stelle. Manchmal muss das weibliche Familienoberhaupt zuerst an sich denken und Dinge für mehr Gelassenheit beherzigen. Das Wichtigste jedoch: Sie muss sogleich einen Plan zur Hand haben – zumindest für einige Situationen:

  1. Oben aufgeführtes Beispiel erfordert Verhandlungsgeschick. Tipp: Ködern sie den Verursacher mit mehr Essen, Spielzeug oder dem vorbeifahrenden Bus aus dem Zimmer. Vorteil: Sie haben für fünf Minuten von 50 Prozent des Lärmpegels Ruhe. Rechnerisch ist es natürlich undankbarer, wenn sie mehr als zwei Kinder haben.
  2. Die Kinder sind hysterisch, werfen sich wahlweise auf den Boden oder schreien beim Einkaufen unaufhörlich herum, weil sie diesen verdammten Schleckstängel nicht kriegen. Damn it! Tipp: Alle Kinder sofort in den Einkaufswagen rein. No Words. (Maximum: «Jetzt ist Ruhe».) Nun schieben Sie. Schieben Sie ruhig, aber zügig. Merken Sie, wie mit dem Weiterkommen des Einkaufswagens auch der vorhergehende Moment der Hysterie einer mehrminütigen Pause der Stille weicht? Vorteil: Sie laufen, was die Wahrscheinlichkeit massiv senkt, dass Sie ebenfalls herumschreien, sich auf den Boden werfen oder einem Mitmenschen was antun, der blöde glotzt (was man durchaus mal in Erwägung ziehen sollte, bei klarem Verstand).
  3. Am Abend bringt der Mann die Kinder ins Bett (im Idealfall nicht nur abends, jaja). Sie schreien nach Mami, buckeln Stofftier und Flasche, gebärden sich wie Raubtiere. Tipp: Ignorieren sie es. Der Mann wirds schon richten, wenn auch auf seine Weise. Vorteil: Frau bringt sich selber nicht in die Bredouille, entweder das Kind zu erschlagen, weil es eh nur eine Szenerie veranstaltet, oder den eigenen Mann, der es anders, aber natürlich völlig falsch macht, ey!
  4. Tatort Küche, Auftritt Gäste mit Kleinkindern (mehr als drei Elternpaare). Sie stehen mitten im Tohuwabohu. Da gesellt sich eine Mutter zu Ihnen und fragt allen Ernstes danach, ob Sie denn für die Kinder auch Gemüse gekocht hätten. Tipp: Werfen Sie diesen Gast raus. Im Zweifelsfall schieben Sie noch ein «Nein, ich vermeide Gemüse für Kinder tunlichst» nach. Vorteil: Sie sparen Platz beim Essen, müssen sich kein Geschwätz von Pseudo-Gesundheitsfanatikern anhören («Mein Sohn liiiebt Broccoli») und der Rest der Gesellschaft denkt auch so, hätte es im Plenum aber niemals zur Sprache gebracht.
  5. Es ist niemals zu spät, um über Alternativen nachzudenken. Adoption ist keine davon, da zu aufwändig und am Ende wohl doch tränenreicher als gedacht. Also realistischer. Tipp: Kinder bei Freunden abgeben. Vorteil: Die Gotte verbringt mehr Zeit mit ihrem Patenkind und die Eltern können einen draufmachen. Oder lesen. Oder nichts tun, was eine unerhörte Form des Zeitvertreibes ist und das schlechte Gewissen nach zehn Minuten schon so schwer lastet, dass man fast so weit ist, für die Erhaltung der anorektischen Amöben zu spenden.
  6. Die Kinder sind bereit. Gewaschen, gewickelt, angezogen, gekämmt. Nur die Mutter sieht aus, als ob sie ein Laster überfahren hätte. Frau ist schon froh, wenn sie eine Frisur hinkriegt, ohne sich gleich die Haare waschen zu müssen. Denn dafür reicht die Zeit nicht mehr. Tipp: Gel, Gel, Gel. Wild thing! Tragen Sie es mit Fassung und sans façon. Vorteil: Sie sparen Zeit und werden sich wieder einmal bewusst, dass da noch mehr geht als gedacht. Viel mehr. Doch das vertagen wir für den Ausgang oder für das nächste Vorstellungsgespräch. Man will ja nicht alle Munition für den Kindergeburtstag verschwenden.
  7. Eine nette Frauenrunde, leider sind Kinder auch eingeladen. Es ist unmöglich, ein Gespräch über mehr als zwei Minuten aufrecht zu erhalten. Damit meine ich nicht ein Palaver über Babykost. Die Mütter fühlen sich dazu bemüssigt, wie Affen an ihrer Brut zu hangen und jeden ihrer Schritte zu kommentieren und die Kleinen beim Spielen auf pädagogisch korrekte Weise zu lehren («Nein, Tim, das Auto hat Lenin jetzt zuerst gehabt!») Tipp: Nehmen Sie immer eine Flasche Alkohol mit. Vorteil: Wenn schon Leiden, dann doch bitte nicht mit klarem Kopf.
  8. Das Kind schläft (wieder einmal) in ihrem Ehebett. Sie haben Platzangst und finden Beischlafgelegenheiten nur im Ehebett. Tipp: Suchen Sie sich einen anderen Mann/Frau. Alternative: Entrümpeln Sie den Abstellraum, die Küche, den Küchentisch – natürlich nicht der Ordnung halber. Oder: Tun Sie es auf dem Boden. Eine anstrengende Vorstellung, nach einem harten Kinder- und/oder Bürotag, aber dieser Sex wird Sie dafür entschädigen (hopefully). Vorteil: Sie bleiben agil im Kopf – und auch körperlich.
  9. Die liebe Verwandtschaft wohnt bei Ihnen. Sie haben nun für eine Weile Nanny, Putzpersonal und Polizei in einem im Haus. Nicht immer einfach, aber es hat auch seine Vorzüge. Wenn Sie diese noch nicht entdeckt haben, dann befolgen Sie den Tipp: Ausquartieren. Sich selber! Am besten für ein paar Nächte. Ins Hotel bitte, nicht bei Freunden, wohlverstanden. Man ist ja keine 20 mehr. Vorteil: Es kostet zwar (vier Sterne sind das Minimum), doch hier zählt wirklich jeder Rappen.
  10. Kinder wollen immer etwas. Darum sind sie Kinder. Gut, später will man auch immer etwas, nur subtiler. Sie sind das alles grad fest leid. Tipp: Lassen Sie mal gut sein. Die Kinder werden nicht gleich an Karies erkranken, wenn Sie heute ohne Zähneputzen ins Bett gehen. Und Sie werden auch nicht gleich verblöden, wenn Sie heute statt 15 Minuten skandalöse 30 Minuten fernsehen. Vorteil: Nein, Sie haben nichts gut bei ihnen, Kinder funktionieren nach dem Gier-Prinzip (je mehr sie kriegen, je mehr wollen sie). Also, Vorteil: Sie haben sich aus dem Hamsterrad vom 20 Mal hinterherschreien («Jetzt aber dalli, ab zum Zähneputzen!») rausgenommen. Tut gut, oder?

Written by C.

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