“Man muss die guten Frauen erkennen, ansprechen, anstellen, fördern und befördern”, ist es im offenen Brief formuliert, der sich an Tagi-Chefredaktor Res Strehle und an die “lieben Schweizer Verleger” richtet. Am Ende schliesst der glühende Apell für mehr Journalistinnen in Führungsfunktionen mit den Worten: “Denn Journalistinnen können – und wollen. Man muss ihnen nur eine Chance geben.”

Ich lese übersetzt: Ihr (Männer) müsst uns (Frauen) NUR EINE CHANCE GEBEN.

Ergreife, wer wirklich will, seine Chance selber und möge bitte nicht von einem Mann entdeckt werden wollen. Was Frau (als echtes Führungsmitglied und nicht bloss als Quotenfrau) ändern könnte: Frauen anstellen, auch in Konkurrenz zu sich selbst. Das geschieht dann doch nicht in demselben euphorischen Ausmass, mit der frau diese Forderung gerne an ihre männlichen Kollegen delegiert.

Es wäre anderseits interessant zu erfahren, wie viele Journalistinnen sich tatsächlich schon ernsthaft um einen gewichtigen Chefsessel bemüht haben – mit allen (zeitlichen) Konsequenzen und wie viele von ihnen eine Absage erhalten haben (und warum).

Vielen Männern in klassischen Leitungspositionen fehlt es wiederum an Empathie und Selbstreflexion. Ein unerlässlicher Erfolgsfaktor für eine Führungskraft. Mit klassischen Seilschaften hieven sie sich gegenseitig Jobs zu und halten sich auf diese Weise oben. Dieser Misstand kann nur von innen ausgehölt werden – von führungswilligen Frauen mit dem nötigen Rüstzeug (Bildung, Cleverness, Intelligenz, Dickhäutigkeit).

Fazit: Beide Seiten sind kritisch zu hinterfragen. In einer echten Debatte, nicht in gegenseitiger Schuldzuweisung. Alles andere ist Führungsschwäche.

Und wem das alles zu banal ist, der gründe sein eigenes Unternehmen. Wie beispielsweise Ladies Drive. Offiziell gilt das Magazin als «Special Interest» und als «Autoren-Magazin». Letzteres bedeutet, das sie vielmehr mit Kaderfrauen und Unternehmerinnen als Autoren des Magazins arbeiten, als mit Journalisten. Der Grund sei einfach, schreibt Sandra-Stella Triebl, Verlegerin und Gründerin des Frauen-Businessverlags, auf ihrer Website: «Sie wollen mit unseren Lesern auf der gleichen Augenhöhe kommunizieren. Nichts ist authentischer als dies.»

Und sie sind vor allem eines: ein Netzwerk. Ironischerweise fehlt im weiblichen Journalismus gerade eben dies; ein institutionalisiertes Netzwerk.

In diesem Sinne: auf gutes Gelingen – jede(r) auf seine Weise.

Written by C.