Mit dem Kinderkriegen ist das ja so eine Sache: Man mutiert offenbar zu einer besonderen Spezies, die nicht überall willkommen ist. In schicken Restaurants zum Beispiel, gehören Kinder nicht zu den gern gesehenen Gästen. Dass Eltern vielleicht auch gerne mal mit anständig essen möchten und nicht gerade einen Babysitter mobilisieren konnten, interessiert niemanden. Ich verstehe das, manchmal. Oft bleibt jedoch ein Unverständnis. Denn: Wenn es nicht gerade ein 5-Sterne-Lokal ist – wo man selbst auch gerne mal ohne Kinder einkehrt – sollten Gastronomen gewappnet sein.

Dass es auch anders geht, sieht man in anderen Ländern. Dort sind Kinder in den meisten Lokalen willkommen – nein, herzlich willkommen! Sie werden umgarnt, sofort stehen Kinderstühle bereit, es werden Kindermenus angeboten, der Familientisch erhält anständige Gabel und Messer – Eltern auch gerne ansehnliche Weingläser. Denn man schätzt Kinder als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft und sieht sie offenbar nicht als notwendiges Übel, das – sicherlich notgedrungen, ha! – mitgeschleppt wird.

Sucht man Restaurants oder Hotels, die das Label „kinderfreundlich“  tragen, fehlt meist am (Eltern) anderen Ende der Style. Man kann nicht alles haben, werden jetzt einige monieren. Dass das sehr wohl geht, zeigen Gastronomen im Ausland. In Österreich findet man sich in wahren Wellnessoasen wieder, die auch für Kinder hervorragende Spielräume mit dazugehörigem Programm anbieten. Und dies für die Hälfte des Preises als daheim. In Italien steht die Pasta für die Kids schon auf dem Tisch, bevor man seine Bestellung aufgegeben hat. Tutto per gli bambini! In osteuropäischen Ländern gibt es überall – auch in schicken Teilen mit Gastrobetrieben – Kinderspielplätze, die man bei uns zu Hause lange suchen kann.

Das ist schön. Weil eigentlich selbstverständlich. Denn Kinder sind ein Teil des Ganzen. Sie gehören zum Alltagsbild und niemand stört sich daran, im Gegenteil.  Was nicht heisst, dass man jedes Kind betüteln muss, aber ein etwas kinderfreundlicheres Ambiente täte hierzulande auch ganz gut. Da erinnere ich mich auch an eine Begegnung  in einem Shoppingcenter, kürzlich daheim: im Lift sitzt ein etwa zweijähriges Mädchen im Einkaufswagen und singt lauthals vor sich hin. Die Mutter ermahnt sie: „Nicht so laut, wir sind nicht alleine.“ Ich lächle gequält und zwinkere der Kleinen ermunternd zu. Das Tadeln der Mutter für eigentlich etwas Schönes, stimmt mich traurig und nachdenklich zugleich. Die Mutter hatte eigentlich einen sympathischen Eindruck gemacht. Ich glaube, sie hat sich bei ihrem Ausspruch auch ein wenig hinter sinnt, aber das macht man in der Öffentlichkeit bei uns eben so. Man versucht, es allen recht zu machen. So dass Kinder niemandem missfallen könnten.

Denn Kinder stören viele Menschen. Zumindest, wenn sie sich wie Kinder benehmen. Kinder, die zwei Stunden lang auf ihrem Stuhl still sitzen, das gefällt jedem. Kinder, die im Restaurant nur die Servicebahn der Kellner stören, jene nimmt der Gastgeber meist nur widerwillig auf. Zu seinem Leidwesen kann er kein Schild mit „Keine Kinder“ aufstellen. Kinder werden leider oft als Störefriede wahrgenommen. Lachen, ein wenig überstelliges Getue, Gekreische werden sofort als erzieherische Mankos taxiert. Oder noch schlimmer: die Kinder gelten flugs als schwer erziehbar oder gar hyperaktiv.

Das ist traurig. Denn es ist offenbar ein gesellschaftliches Phänomen: Kinder ja, aber bitte nur, wenn sie sich wie kleine Erwachsene benehmen.

 

Written by C.