Die Teenies heute sind ihre eigenen Marketingmanager

Ich war als Teenager unsicher, flachbrüstig, trug meist Jeans und ausgeleierte Shirts. Klar, ich war nicht hässlich, hatte viele Freunde und galt als lustiges Wesen. Wenn ich mir heute, 20 Jahre später, Jugendliche anschaue, dann kann hat das mit meiner Jugend wenig zu tun. Vielleicht liegt es an der medialen Überdosis, am Zeitalter Internet, an der Nerd-Generation – doch die Pubertierenden sind selbstbewusst, wissen sich zu präsentieren und haben mehr Ahnung von Selbstvermarktung als so manch ein Marketingfachmann.

Noch nie haben sich Jugendliche in der Öffentlichkeit so lustvoll ausprobiert wie heute. Ein untrüglicher Indikator für diesen Zeitgeist sind die unzähligen Blogs von Teenagern, weltweit. Unter ihnen gelten Mode- und Stylingblogs als besonders begehrt. So wie die Site Jane Aldridge. Sie ist mit 18 Jahren schon eine Veteranin unter den Mode-Bloggerinnen. Auf ihrem Blog setzt sie mit aus Vintage- und Designer-Teilen zusammengestellten Outfits ihre Lieblinge seit über fünf Jahren gekonnt in Szene. Dabei ist die Amerikanerin erst unglaubliche 20 (!) Jahre alt. Jane Aldridge hat es geschafft, mit ihrem Blog die Modebranche auf sich aufmerksam zu machen. So durfte die Schuh-Liebhaberin eine eigene Schuh-Linie für Urban Outfitters entwerfen und hat außerdem mit dem Label Gryphon zusammengearbeitet. Aldridge wird von Modefirmen längst als Publizistin angesehen und eingesetzt. Eine Win-Win-Situation. Denn wem könnten potenzielle Kunden wohl mehr trauen als der guten Freundin von nebenan. Und genau dieses Gefühl vermitteln die Teen-Bloggerinnen von heute.  

Doch ist das immer nur gut? Haben die Kids schon genug Lebenserfahrung für so was? Will man als Eltern schon so reife Teenager als Eltern? Denn eines ist sicher: mit der unverhofften Medienpräsenz katapultieren sich die Halbwüchsigen in unbekanntes Terrain. Sie haben keine Kontrolle mehr über die Verbreitung ihrer Beiträge und können nur schwer abschätzen, was mit ihren persönlichen Bildern geschieht oder was mit ihnen angestellt wird. Das sind Mechanismen, die sie nur bedingt kontrollierbar sind. Dem entgegen zu wirken ist nicht immer einfach. Insbesondere, wenn die Blog-Schreiber noch so unerfahren sind wie etwa die heute 16-jährige Tavi Gevinson. Es ist wohl das berühmteste Beispiel einer ungeahnten Blogger-Karriere. Mit elf wurde sie mit einem Modeblog berühmt. Jetzt ist sie 16 und macht ein Internetmagazin für Mädchen. Tavi Gevinson gilt als digitaler Kinderstar, der von niemand anderem erfunden wurde als von ihr selbst.

Und genau darin liegt das Geheimnis des Erfolgs: es sind Kinder des Internets, die sich auch dort frei ausleben und sich ausprobieren.  Das tut auch die Schweizerin Mirjam Herms. Sie hat mit ihrem Fashion- & Lifestyle Blog Chic und Schlau seit Jahren grossen Erfolg – weit über die Landesgrenzen hinaus wurde 2008 von Mirjam Herms gegründet und bis Mitte März 2013 als Lifestyle-Blog geführt. Seit dem 18. März hat sich das Konzept in ein Online-Magazin verwandelt. Chic-und-schlau.ch berichtet neu über Trends, neue Kollektionen, Reiseziele, Klatsch und Tratsch bis hin zu neuen Games. Der Trend der Jugendlichen ist, sich stilbewusst und unprätentiös zu präsentieren und insbesondere, seine eigene Meinung unverblümt zu sagen. Mit diesem Mix hat es auch die junge Schwedin geschafft, sich ins Rampenlicht einer breiteren Öffentlichkeit zu hieven. Ihr Mix aus Vintage-Meets-Manga-Stil kommt an.

Zurück zu meiner Erinnerung: Hatten wir etwas zu sagen, dann taten wir es ganz einfach. Die Absicht dahinter war dieselbe – News und Klatsch zu teilen. Damals und heute.

 

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