Mit Pornos ist es ja so eine Sache. Die einen lieben sie, die anderen finden sie Abschaum. Anyway. Kürzlich traf ich meine im neunten Monat schwangere Freundin, die noch vor nicht allzu langer Zeit klar zur ersten Sorte zählte. Bei unserem Wiedersehen war sie allerdings so durch den Wind, dass sie sogar vergessen hatte, anständige Alkoholika kaltzustellen. Darum nippten die Freundinnen nun an alkoholfreiem Irgendwas, was für die eine oder andere in der Runde die eigentliche Katastrophe darstellte. Have one for me! Bald wussten wir, wem wir das zu verdanken hatten: Der Schuldige war ein Mann. Ihr Mann! Denn sie hatte ihn dabei erwischt, wie er sich mit pornografischem Bild- und Videomaterial vergnügte.

Aus ihrer Erzählung ging hervor, dass sie das wenig inspirierend fand, er hingegen ziemlich. Obviously. Sie stellte ihn also vor die Wahl: entweder die «Tittentussi» oder sie – notabene die Mutter seines noch ungeborenen Kindes. Doch Drohgebärden stossen bei Männern beschränkt auf positive Resonanz. Er wählte die Tittentussi und warf ihr seinerseits vor, «hormongesteuert, hysterisch und kommunikativ eingeschränkt» zu sein. Er hätte wohl ehrlicherweise «beschränkt» sagen wollen, aber das hat er sich dann doch nicht getraut.

Die Kernfrage ist jedoch spannend und wurde in der von ihr einberufenen Frauenrunde erregt diskutiert: Ist Pornoschauen verwerflicher, wenn die eigene Frau in anderen Umständen ist, gerade auch, wenn in der eigenen Sexualität gerade Ebbe herrscht? Ist es verwerflich, wenn sich der eigene Mann Pornos reinzieht, während sich seine Hochschwangere nebenan mit Wasser in den Beinen im Bett wälzt? Schliesslich gilt nichts als so rein wie ein ungeborenes Kind im Bauch. Pornos hingegen haben wenig mit Naivität und Reinheit gemein.

Meine Freundin empfand es primär als einen Vertrauensbruch, mehr noch: Sie fühlte sich von ihrem Mann betrogen. Das ist emotional nachvollziehbar. Frau fühlt sich am Ende einer Schwangerschaft sowieso wie ein Fass (High Heels und das kleine Schwarze sind Lichtjahre in die Ferne gerückt), man kämpft mit Sodbrennen und hegt kriminelle Absichten gegenüber jedem Wesen, das ohne Keuchen Treppen laufen kann. Oder Haare wie Eva Mendes hat. Bitch!

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir uns aber eingestehen: Es ist nur Porno und hat nichts mit Liebe oder Fremdgehen zu tun, es ist bloss ein Ventil, eine Befriedigung, Lust. Vielleicht mag die Enttäuschung meiner Freundin auch damit zu tun haben, dass sie nicht mehr nur Geliebte und Kamerad ist, sondern auch die Mutter seines Kindes (wird). Männer reagieren bekanntlich unterschiedlich darauf. Die einen turnt es an, die anderen ab, Dritte wiederum schwanken zwischen Lust und Frust, je nach Schwangerschaftswoche. Natürlich machen sich Schwangere auch selber das Leben schwer.

Dabei geht es nicht primär um die angefutterten Kilos, es ist das Benehmen. Wenn sie von nichts anderem als von ihrem wachsenden Bauch redet, der Geburt und was das Baby im Bauch gerade macht – das turnt auf Dauer ab. Vielleicht aber kann sie Pornos sowieso nicht ausstehen und ist per se gegen jegliche Lustbefriedigung dieser Art. Es ist halt nur so: Wenn man sich vor der Zeugung des Kindes noch gemeinsam Pornos angeschaut hat, war das prickelnd. Tut er es jetzt allein, ist es primitiv. Doch Sex ist manchmal eben nur Sex. Ohne Candlelight, ohne Vorspiel oder stundenlanges Reden über Gefühle. Darum ist es nichts Bedeutendes, wenn Mann (oder Frau) sich einen Porno anschaut – nicht trotz – vielmehr gerade auch in der Schwangerschaft. Es gibt eben ausser Rosa, Blau und Strampler noch ein Leben mit Dreck, Lust und Frivolität.

Written by C.

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